9. Swiss Innovation Forum, Interview mit Stefan Linder, Gründer des SIF

An der führenden Innovationskonferenz der Schweiz vernetzen sich rund 1‘000 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Politik und Medien. Neben dem branchenübergreifenden Austausch bieten herausragende Keynote-Referate, zahlreiche Workshops und ein vielfältiges Programm mit Best-Case-Beispielen eine inspirierende Plattform rund um die Themen Innovation, Kreativität und Design. Zu den zentralen Elementen der Veranstaltung gehören die Future Expo, an der sich unter anderem ausgewählte KTI-Projekte (Kommission für Technologie und Innovation) und Projekte von Fachhochschulen präsentieren können und der Swiss Technology Award, der führende Technologie- und Innovationspreis der Schweiz.

Das erste Swiss Innovation Forum fand im Jahr 2006 statt und hat sich aufgrund grosser Nachfrage nach den Themen Innovation, Kreativität und Design als eigenständige und äusserst erfolgreiche Plattform etabliert.

Herr Linder, bereits zum neunten Mal wird in Basel der Swiss Innovation Forum (SIF) durchgeführt. Basel wird dadurch zum nationalen Hotspot für Innovation, Design und Kreativität. Was gehört zu den Stärken des Wirtschaftsstandorts Basel und wie hat sich dieser in den letzten Jahren verändert?

Stefan Linder: Eine grosse Stärke von Basel ist klar die Infrastruktur, in welche in den letzten Jahren viel investiert wurde, sowie die Lage. Die Nähe zu Deutschland, Frankreich und dem Flughafen Zürich ermöglicht eine gute Erreichbarkeit. Basel war schon immer eine Messestadt. Dies hat sich in den letzten Jahren noch verstärkt. Die jährlich stattfindenden Anlässe wie Baselworld oder Art Basel tragen viel zum guten Image der Stadt bei. Wie kürzlich in den Medien zu lesen war, wird Basel Gaststadt von zwei weiteren Topanlässen: Europa-League-Final im Fussball und Kongress der European Sleep Research Society. Basel ist für uns ein ausgezeichneter Standort um auf nationaler Ebene mit internationaler Ausstrahlung eine Leuchtturm-Konferenz in den Themen Innovation, Kreativität und Design durchzuführen.

Der österreichische Ökonomen J. A. Schumpeter sagte einmal: „Innovation ist die Durchsetzung einer technischen oder organisatorischen Neuerung, nicht allein ihre Erfindung“. Wie interpretieren Sie persönlich den Begriff Innovation und weshalb hat dieser eine grosse Bedeutung für die Wirtschaft?

Stefan Linder: Innovation ist das Kerosin der Schweizer Wirtschaft. Es hat uns den hohen Lebensstandard ermöglicht, sichert uns den Erfolg von Morgen und ist für jedes Unternehmen von grösster Bedeutung, unabhängig von seiner Grösse. Ich teile die Definition von J. A. Schumpeter, Ideen gibt es Tausende, es braucht jedoch Menschen, die mit Mut, harter Arbeit, Erfindergeist und Kreativität Neues wagen und sich gegen alle Widerstände und Hindernisse durchsetzen. Innovation ist aber auch die stetige Verbesserung von Bestehendem, nicht nur die ganz grossen Würfe bringen nachhaltigen Erfolg.

Um die Innovationskraft der Schweiz hoch zu halten, sind optimale gesetzliche Rahmenbedingungen und die Vernetzung zwischen der Wirtschaft und Hochschulen besonders wichtig. Was hat sich seit den Anfängen des SIF im Bereich des Technologietransfers in der Schweiz verändert? Was braucht es sonst noch, damit Unternehmen innovativ sein können?

Stefan Linder: Innovation wird in der Schweiz sehr professionell gefördert und unterstützt. Sei es in den Konzernen, bei den Schweizer KMU oder auch bei der Unterstützung an den Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Heute ist es viel einfacher geworden, ein Spin-off zu starten, Zugang zu Geld und Investoren zu bekommen und Experten zu finden, welche einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch der Bund leistet mit der KTI einen ganz wichtigen Beitrag. Was wir in der Schweiz jedoch wieder ganz dringend benötigen, ist eine absolute Verlässlichkeit in politischen Themen. Die wirtschaftsfeindlichen Initiativen der letzten Jahre verursachen eine grosse Verunsicherung in der Wirtschaft und blockieren wichtige Investitionsentscheide. Diesem sollten wir so rasch als möglich entgegenwirken.

Inwiefern konnte das SIF einen Beitrag dazu leisten?

Stefan Linder: Wir bringen die Menschen zusammen. Vom Hightech-Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler bis zum ambitionierten Jungunternehmer. Der Mix am SIF ist einzigartig. Es begegnen sich kluge Köpfe aus verschiedenen Branchen mit unterschiedlichen Kompetenzen, welche sich sonst in einer solchen Konstellation vermutlich nicht treffen würden.

Der Swiss Technology Award gehört zu den begehrtesten Auszeichnungen im Bereich technischer Innovationen und wird seit insgesamt 26 Jahren – davon seit 6 Jahren im Rahmen des SIF - verliehen. Welchen besonderen Nutzen erhalten die Preisträger durch den Award?

Stefan Linder: Es ist in erster Linie eine tolle Anerkennung, eine nationale Auszeichnung zu erhalten und auch ein bisschen der Lohn für die harte Arbeit und den Mut. Die Preisträger profitieren von einem Expertenbericht, bekommen grosse mediale Publizität, kommen in Kontakt mit möglichen Investoren. Als willkommenen Nebeneffekt werden auch hochqualifizierte Arbeitskräfte auf das Unternehmen aufmerksam. Als direkter Nutzen ermöglichen wir zudem die Teilnahme an einer internationalen Fachmesse.

Der SIF bietet jedes Jahr von Neuem ein attraktives Programm. Was ist das Erfolgsrezept?

Stefan Linder: Wir versuchen jedes Jahr Referentinnen und Referenten einzuladen, welche nicht oft auf Bühnen zu sehen sind. Menschen, die im Bereich Innovation, Kreativität und Design wirklich etwas zu sagen haben. Mit unserem Programm wollen wir die Leute nicht nur inspirieren, sondern ihnen aufzeigen, welche neuen Technologien, Innovationen und Ideen morgen und übermorgen unser Leben, unser Geschäftsmodell und unsere Gewohnheiten verändern werden. Die besten Leute zu den verschiedenen Themen in die Schweiz zu holen ist unsere Leidenschaft und Antrieb zugleich, zudem der grosse Wille, jedes Jahr ein bisschen besser zu werden und aus Fehlern zu lernen.

Was sind die Highlights am diesjährigen SIF?

Stefan Linder: Wir haben die grosse Ehre, dass Bundesrat Johann Schneider-Ammann das SIF 2014 eröffnen wird. Er ist nicht nur Wirtschafts- und Innovationsminister, sondern auch verantwortlich für die Bildung. Der sogenannte „Grips“ ist die wertvollste Ressource der Schweiz, diesen Erfolgsfaktor gilt es sicherzustellen und zu bewahren. Mit David Bosshart haben wir einen hervorragenden Zukunftsforscher, Richard Florida aus den USA zählt zu den kreativsten Menschen der Welt, Sean Gourley ist einer der renommiertesten Big-Data-Spezialisten und der Visionär, Mediziner und Chef der ETH Lausanne, Patrick Aebischer, zeigt auf, weshalb die Schweiz zu den führenden Innovationsländern zählt. Zudem gibt es hervorragende Workshops, Best Case Sessions, Movers & Shakers sowie ein einmaliges Networkingpotenzial mit über 1‘000 kreativen Köpfen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Forschung.

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