Schweizer Wirtschaft zeigt sich robust – Konjunkturaussichten nach dem Frankenschock

Schweizer Wirtschaft

Die nach der Aufhebung des Mindestkurses von 1.20 Franken zum Euro prognostizierte konjunkturelle Abkühlung hat sich bestätigt. Infolge der Frankenaufwertung kam das Wirtschaftswachstum der Schweiz im 1. Halbjahr 2015 praktisch zum Erliegen.

Für das gesamte laufende Jahr ist von einem verhaltenen Wachstum auszugehen, während bereits für 2016 eine erste Wachstumsbeschleunigung erwartet wird. Die Schweiz zeigt sich damit einmal mehr als durchaus anpassungsfähig.

Das erste Halbjahr nach der Frankenaufwertung

Während das reale Bruttoinlandprodukt der Schweiz (BIP) im 1. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0.2% zurückging, verzeichnete die Schweizer Wirtschaft im 2. Quartal ein leichtes Wachstum. Angesichts der starken Aufwertung des Schweizer Franken und den damit einhergehenden Herausforderungen sowie Unsicherheiten zeigt sich die Schweizer Volkswirtschaft mit diesem Ergebnis durchaus widerstandsfähig. Ursächlich für die geringe Wechselkurselastizität und das Ausbleiben einer Rezession sind, laut den Ausführungen zur Herbstprognose 2015 der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, stärkere Preissenkungen als erwartet. Eine Reaktion, die das Wachstum zwar stützt aber angesichts des Zeithorizonts für Kostensenkungen bei vielen Unternehmen zu geringeren Margen geführt haben dürfte.

Leicht veränderte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Möchte man Aussagen zur zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung machen, so ist es für eine kleine, offene und stark vernetzte Volkswirtschaft wie der Schweiz zentral zunächst ein Blick auf die Weltwirtschaft und die globalen Entwicklungen zu werfen. Hier zeigt sich auf der einen Seite eine abschwächende wirtschaftliche Dynamik in den Schwellenländern – allen voran in China und Brasilien – und auf der anderen Seite eine leichte Wachstumsbeschleunigung in den USA sowie eine langsame und stetige Erholung im Euroraum. Auch die Aussichten für Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz, sehen nach einem moderaten Wachstum im ersten Halbjahr 2015 weiterhin positiv aus.

Verhaltenes Wachstum 2015 und leichte Beschleunigung ab 2016

Für die Schweizer Wirtschaft bedeuten die globalen Entwicklungen, dass sich die Risiken angesichts der konjunkturellen Abkühlung in den Schwellenländern etwas erhöht haben. So kommt bei vielen exportorientierten Schweizer Unternehmen ein immer grösser werdender Teil der Nachfrage aus Schwellenländern. Gleichzeitig haben sich die Zeichen für eine sich stabilisierende Nachfrage aus wichtigen Absatzmärken jedoch leicht verbessert.

Unter Berücksichtigung der globalen Entwicklungen sowie auf Basis der Entwicklungen in den vergangenen Monaten (insbesondere Wechselkursentwicklung) kommt die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes in seiner jüngsten Prognose zu der Einschätzung, dass die Schweizer Wirtschaft 2015 mit 0.9% wachsen wird. Stützend wirkt dabei vor allem auch die aktuelle Abwertung des Schweizer Franken auf einen Wert von momentan etwas 1.08 Schweizer Franken zu Euro. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass die Inlandsnachfrage (vor allem privater Konsum) weiterhin als Wachstumsstütze fungieren wird, während vom Aussenhandel für das gesamte laufende Jahr und allenfalls darüber hinaus negative Wachstumsbeiträge zu erwarten sind.

Auf der Produktionsseite dürfte vor allem für wechselkurssensible Branchen wie den Handel und das Gastgewerbe kein nennenswertes Wachstum erwartet werden. Traditionell dürfte auch die Industrie angesichts ihrer hohen Exportabhängigkeit von Wachstumsrückgängen betroffen sein, jedoch wies sie nach einem Rückgang im 1. Quartal bereits im 2. Quartal diesen Jahres ein Wachstum auf und zeigte sich damit durchaus robust gegenüber der Aufhebung des Mindestkurses. Von einer spürbaren Wachstumsbeschleunigung wird allerdings erst 2016 ausgegangen. Die Expertengruppe Konjunkturprognose des Bundes erwartet dann ein Gesamtschweizer BIP-Wachstum von 1.5%.

Aussichten für die Region Basel

Für die Region Basel zeichnet sich einmal mehr ein positiveres Bild als für die Schweiz insgesamt. Zwar ist auch Basel-Stadt von der konjunkturellen Verlangsamung im Nachgang zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses betroffen, die konjunkturelle Abkühlung erfolgt im Vergleich zu anderen Regionen jedoch auf einem anderen Niveau. Nach einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 3.0% im Jahr 2014 (Prognose), wird die Basler Wirtschaft nach Einschätzung von BAK Basel Economics im laufenden Jahr mit 1.6% wachsen. Die konjunkturelle Erholung in 2016 lässt ein BIP-Wachstum von 2.0% für den Kanton erwarten.

Wachstumstreibend dürfte in beiden Jahren vor allem die dominierende chemisch-pharmazeutische Industrie sein, für die BAK Basel Economics weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum in 2015 prognostiziert. So gilt die Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten insgesamt als relativ preisunelastisch, d.h. der Nachfragezuwachs dürfte sich dynamisch zeigen, während auch die pharmazeutischen Unternehmen mit einem Rückgang der Margen konfrontiert sein dürften. Ein Grund sind die administrierten Medikamentenpreise, die zur Folge haben, dass die Aufwertung nicht vollständig auf die Kunden überwälzt werden kann. Darüber hinaus erfolgt ein Grossteil des Handels der Branche in US-Dollar, gegenüber dem die Aufwertung des Schweizer Frankens weniger stark ausgeprägt ist.

Im starken Kontrast zu den gesamtschweizerischen Entwicklungen zeigt sich auch der Basler Tourismus. Während sich der Tourismus in weiten Teilen der Schweiz rückläufig entwickelte, stieg die Übernachtungszahl in Basel-Stadt seit Jahresbeginn gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 50'362 bzw. 5,9% auf 910'793.

Quelle: Für die internationale und Schweizer Prognose „SECO Konjunkturtendenzen Herbst 2015“ sowie „KOF Analysen, Konjunkturanalyse: Prognose 2016/2017“ und für die kantonale Prognose BAK Basel Economics (Stand: Oktober 2015) sowie für den Tourismus: Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt, Statistische Mitteilung vom 18. September 2015.

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