Konjunkturaussichten

Das Jahr 2015 war geprägt von der Aufhebung des Franken-Mindestkurses zum Euro, der schockartigen Aufwertung des Schweizer Frankens und den daraus resultierenden realwirtschaftlichen Folgen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen ist für das laufende Jahr 2016 von einer verhaltenen konjunkturellen Erholung und einer leichten Wachstumsbeschleunigung auszugehen.

2015 – Das Jahr der Aufhebung des Euro-Mindestkurses

Am 15. Januar 2015 kommunizierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Entscheid, den rund dreieinhalb Jahre währenden Franken-Mindestkurs von 1.20 Franken zum Euro aufzuheben. Nachdem der Eurokurs kurzzeitig unter 0.85 Franken fiel, hat sich dieser im Verlaufe des Jahres leicht erholt und lag Ende 2015 nahe 1.09 Franken. Durch die deutliche Aufwertung des Schweizer Frankens wurde die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft spürbar gebremst. Dabei wirkte sich die schockartige Aufwertung primär negativ auf den Aussenhandel aus. Ein Rückgang der Exporte und sinkende Exportpreise belasteten die Realwirtschaft. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung kam es auch zu einer Reduktion der Investitionsdynamik. Der private Konsum zeigte sich hingegen robust und fungierte über das gesamte Jahr 2015 als Wachstumsstütze der Schweizer Wirtschaft. Eine Rezession konnte somit abgewendet werden und die Schweizer Wirtschaft sogar ein moderates Wachstum verzeichnen. Insgesamt ergeben erste Quartalsschätzungen eine vorläufige Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2015 von 0.9%.

Weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die globale Wirtschaft hat sich im 2015 nur verhalten entwickelt und das Weltwirtschaftswachstum fiel insgesamt schwach aus. Das Jahr war zudem geprägt von einer weltweit expansiven Geldpolitik und tiefen Energie- und Rohstoffpreisen. Die Erwartungen für das Jahr 2016 knüpfen an diese Entwicklungen an, wenngleich aktuelle Prognosen von einem leichten Anstieg der Dynamik ausgehen. Während eine moderate Beschleunigung des Wachstums in entwickelten Volkswirtschaften wie den USA und dem Euroraum erwartet wird, schwächt sich das Wachstum in wichtigen Schwellenländern ab. Ein besonderes Augenmerkt gilt dabei den Entwicklungen in China. Der anhaltende und tiefgreifende Strukturwandel, von einem Wachstum, das auf Export und Investitionen beruht hin zu einem stärker konsumgestützten Wachstum, gestaltet sich angesichts eines weitestgehend fehlenden Sozialversicherungssystems als grosse Herausforderung und schlägt sich in einem niedrigeren Wirtschaftswachstum nieder.

Die Schweiz im Jahr 2016

Für die Schweiz als kleine und offene Volkswirtschaft bedeuten die globalen Entwicklungen nach wie vor eine gewisse Unsicherheit. Gleichwohl wirkt die erwartete konjunkturelle Erholung in den Industrieländern, insbesondere im Euroraum, aufgrund der Handelsstruktur der Schweiz stärker als die Wachstumsverlangsamung in den Schwellenländern.

Angesichts der leichten Entspannung der Wechselkurssituation seit der Jahresmitte 2015 und unter Berücksichtigung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen geht die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes davon aus, dass die Erholung der Schweizer Konjunktur im laufenden Jahr 2016 zwar weiter voranschreitet, dieser Prozess jedoch eher verhalten verlaufen wird. Mit einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von prognostizierten 1.5% liegt die Dynamik demnach weiterhin deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts. Auch Wachstumsrisiken bleiben weiterhin bestehen. Zu nennen sind neben der Wechselkursentwicklung primär die globale Wirtschaftsentwicklung, eine anhaltende oder sich gar verstärkende Investitionszurückhaltung und ein Rückgang der Dynamik des privaten Konsums beispielsweise infolge steigender Arbeitslosigkeit.

Die Binnennachfrage dürfte auch im laufenden Jahr weiterhin die Hauptstütze der Konjunktur bleiben und auch vom Aussenhandel sind, bei Eintreten der konjunkturellen Erholung in den Industrieländern, wieder positive Wachstumsbeiträge zu erwarten.

Aussichten für Basel-Stadt

Das Jahr 2015 war auch für Basel-Stadt und seine Unternehmen geprägt von grossen Herausforderungen und einem spürbar veränderten wirtschaftlichen Umfeld. So zeigte sich ebenfalls eine deutliche konjunkturelle Verlangsamung im Nachgang zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Gleichwohl waren die Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft weniger gravierend als im Schweizerischen Durchschnitt und es konnte ein, im Vergleich zur Gesamtschweiz, deutlich positiveres Wachstum erreicht werden. Nach Einschätzung von BAK Basel Economics belief sich das Jahreswachstum 2015 auf 1.8%. Ursächlich hierfür war primär die in der Region stark verankerte chemisch-pharmazeutische Industrie, deren Nachfrage kaum von der Aufhebung des Mindestkurses betroffen war. Äusserst positiv entwickelte sich auch der Basler Tourismus. Die Zahl der Übernachtungen ist von Januar bis Dezember 2015 auf insgesamt 1.2 Mio. gestiegen. Das waren so viele Übernachtungen wie noch nie und rund 39'000 Logiernächte mehr als 2014.

Für 2016 wird von einer leichten konjunkturellen Erholung in Basel-Stadt ausgegangen und ein Wachstum von 2.0% prognostiziert. Wachstumstreibend bleibt dabei auch weiterhin die chemisch-pharmazeutische Industrie, für die BAK Basel Economics ein überdurchschnittliches Wachstum von 3.0% prognostiziert (2015: 2.3%). Die Gründe für diese Dynamik liegen u.a. in globalen Nachfragetrends (Alterung der Weltbevölkerung und steigender Wohlstand), die dazu führen, dass die Branche vergleichsweise konjunkturresistent ist.

Der Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, dass die Zahl der Beschäftigten in Basel-Stadt im Jahr 2016 gemäss Prognosen um 0.9% zunehmen wird. Als nachziehender Indikator wird das Beschäftigungswachstum als Folge der Konjunkturverlangsamung im vergangenen Jahr damit im laufenden Jahr geringer ausfallen als im noch im Jahr 2015.

Quellen: Für die Weltwirtschaft IWF und OECD, für die Schweizer Prognose „SECO Konjunkturtendenzen Winter 2015/2016“ sowie „Das Bruttoinlandprodukt im 4. Quartal 2015“ und für die kantonale Prognose BAK Basel Economics (Stand 21.01.2016) sowie für den Tourismus: Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt Statistische Mitteilung vom 04. Februar 2016.

nach oben

Kontakt

Fachstelle Volkswirtschaftliche Grundlagen
Dr. Anna-Marleen Plume
Leitung Fachstelle
Utengasse 36
Postfach
4005 Basel

Telefon: +41 61 267 65 12
E-Mail: anna-marleen.plume(at)bs.ch

nach oben