Precision Medicine Basel

Der Kanton leistet Anschubfinanzierung für Datenkoordinationszentrum in Basel.

Datenintegration als grosse Herausforderung

Die Apple-Watch, Fitbits, Jawbones und dergleichen lassen es für jedermann deutlich werden: Die Digitalisierung hat unseren Körper erreicht – mit Hilfe von Sensoren und anderen digitalen Tools lassen sich grosse Mengen an Daten über die eigene Fitness und das eigene Verhalten erfassen („Quantified Self“). Aber nicht nur im Privatleben - auch im klinischen Alltag im Spital ist der Startschuss zur digitalen Transformation des Gesundheitswesens gefallen. Für die Forschung und Entwicklung von neuen Therapien, in der Behandlung von Patienten sowie in der Prävention von Krankheiten ist eine gute Datenbasis zentral. Während die Messung und Erfassung von klinischen und molekularen Daten zunehmend schneller und günstiger erfolgt, gibt es bei der sinnvollen Integration und Interpretation der Daten noch grosse Herausforderungen. Erst wenn die Daten strukturiert und in entsprechender Qualität abrufbar sind, ergibt sich für die Forschung der gewünschte Mehrwert.

Datenorchester dirigiert aus Basel

An diesem Punkt setzt das Projekt von Professor Torsten Schwede am SIB Swiss Institute of Bioinformatics an. Im Rahmen der nationalen Initiative „Swiss Personalized Health Network“ wird durch ein Datenkoordinationszentrum eine landesweit einheitliche Datenorganisation zwischen Universitätsspitälern und Hochschulen aufgebaut. Durch die Standardisierung von Datenstrukturen, Semantik und Formaten zum Datenaustausch soll die landesweite Interoperabilität von biomedizinischen Daten für die Forschung ermöglicht werden. Entsprechende Fragen zu den technischen IT-Voraussetzungen und zur Datensicherheit werden von einer Expertengruppe diskutiert.

In den ersten Jahren des Projektes steht der Aufbau der Dateninfrastruktur im Zentrum, um danach auf der Datenplattform entsprechende Forschungsprojekte zu realisieren. Koordiniert wird der Aufbau der nationalen Infrastruktur von der Leitungszentrale in Basel aus. Der Kanton Basel-Stadt sieht in der schweizweiten Interoperabilität der biomedizinischen Daten grossen Chancen für den Bereich der klinischen Forschung, weshalb er eine Anschubfinanzierung für das Projekt beschlossen hat. Das nationale Projekt soll im Rahmen der nächsten Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation ab Frühjahr 2017 umgesetzt werden.

Es wird erwartet, dass sich bei einem erfolgreichen Projektverlauf innovative Spin-offs bilden, die im Bereich Plattformtechnologien, im Bereich IT Sicherheit und Privatsphäre sowie im Bereich Dateninterpretation (z.B. Genom-Daten) aktiv sind. Durch die Personalisierung der Medizin und den damit verbundenen reduzierten Fallzahlen wird die Interoperabilität von Daten auch für die Zusammenarbeit zwischen Big Pharma und den Spitälern im Rahmen von klinischen Studien zunehmend wichtiger.

Erst der Anfang einer grossen Transformation?

Daten waren immer ein zentraler Treiber von Innovation. In Zukunft dürfte sich die Bedeutung von Daten im globalen Wettbewerb stark erhöhen – mit der Folge, dass sich die Life Sciences Unternehmen auf diese neue Situation ausrichten müssen. Die Big Pharma ist global daran, sich entsprechende Kompetenzen aufzubauen oder einzukaufen. Novartis hat beispielsweise in Kooperation mit Microsoft ein sensorgesteuertes Computerprogramm für Bewegungstest von MS-Patienten entwickelt und unterhält mit dem US-amerikanischen Investor Qualcomm einen Fond für Investitionen in neue Technologien der „Digital Health“. Roche wiederum hat, um nur ein Beispiel zu nennen, einen Mehrheitsanteil an Foundation Medicine erworben, um auf dem Gebiet der molekularen Information die personalisierte Behandlung von Patienten mit Krebs weiter voranzubringen.

Trotz diesen Beispielen, der Weg scheint – auch oder gerade für Big Pharma - weit und die Transformation muss rasch voranschreiten. Umso mehr soll der Standort Basel jetzt aktiv sein, um sich für die Life Sciences Industrie der Zukunft attraktiv zu halten. Basler Unternehmen in ganz unterschiedlichen Bereichen – beispielsweise Genedata, BC Platforms oder Clinerion und viele weitere – tragen zusammen mit der Universität Basel, dem D-BSSE der ETH, der FHNW, dem FMI und dem Universitätsspital Basel zur zukünftigen Attraktivität des Standortes im Bereich Precision Medicine bei. Mit interessierten (lokalen) Life Sciences Unternehmen sowie Forschungsinstitutionen und durch eine sinnvolle Ergänzung des regionalen Innovationsökosystems soll Basel ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekannter Standort für Precision Medicine werden. Das Datenkoordinationszentrum mit Leitung in Basel ist ein erster Baustein für dieses Unterfangen. Weitere Projekte und Bausteine werden folgen.

nach oben