Interview mit Robert-Jan Bumbacher – neuer Verwaltungsrat der Technologiepark Basel AG

Robert-Jan Bumbacher erläutert, was die Stärken des Life Sciences Standortes Basel sind und weshalb Basel ideale Voraussetzungen für Life Sciences Start-ups bietet.

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Zur Person

Robert-Jan Bumbacher, lic. oec. HSG, ist selbstständiger Unternehmensberater. Zudem ist er Geschäftsführer des Vereins Vorsorge Schweiz (VVS), Verwaltungsratspräsident des Universitätsspitals Basel, hat verschiedene Verwaltungs- und Stiftungsratsmandate und einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Der diplomierte Wirtschaftsprüfer hat eine breite Erfahrung in der Betreuung nationaler und internationaler Revisions- und Beratungsmandate und war 20 Jahre bei Ernst & Young (EY) tätig.

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1. Seit Juni 2016 gehören Sie dem Verwaltungsrat der Technologiepark Basel AG, der Trägerin des Technologieparks Basel (TPB), an. Was hat Sie am TPB-Verwaltungsmandat besonders gereizt?

Robert-Jan Bumbacher: Schon seit vielen Jahren interessiere ich mich für Start-ups und für das Thema Innovation, unter anderem auch, weil ich als Coach beim SwissInnovation Challenge der FHNW tätig bin. Ich bewundere die Begeisterung und die Ausdauer, welche diese (Jung-)Unternehmer tagtäglich aufbringen. Innovation ist auch in meiner Rolle als VR-Präsident vom Universitätsspital Basel von hoher Bedeutung, insbesondere im Bereich der Forschung aber auch bei Big Data und Digitalisierung.

2. Was zeichnet den TPB aus Ihrer Sicht aus?

Robert-Jan Bumbacher: Für mich stellt der TPB eine Plattform für innovative und kreative Köpfe dar, die interdisziplinäres Zusammenarbeiten unter den Mietern und Interaktionen mit dem Inkubator ermöglichen. Der TPB fördert den aktiven Austausch von Ideen unter den Start-ups

3. Gibt es etwas was Ihnen beim ersten Rundgang durch den Technologiepark besonders aufgefallen ist?

Robert-Jan Bumbacher: Ich war bei der Gründung des TPB vor einigen Jahren als Sponsoring Partner seitens EY involviert. Es ist schön zu sehen, dass sich die Büros und Labors sukzessive mit Leben gefüllt haben. Der bevorstehende Ausbau des TPB mit zusätzlichen Mietflächen freut mich besonders und zeigt den Erfolg des TPB auf.

4. Sie haben selber in der Pharmaindustrie gearbeitet und waren zudem lange Jahre als Wirtschaftsprüfer tätig. Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken des Life Sciences-Standortes Basel?

Robert-Jan Bumbacher: In der Region Basel hat sich ein Life Sciences Cluster mit nationaler und internationaler Ausstrahlung gebildet. Dazu gehören Akteure wie die Life Sciences Industrie, die Universität sowie die Fachhochschule, die universitären Spitäler, die Zulieferindustrie sowie die Start-ups. Sie gemeinsam sind der Grundstein für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Standortes. In der Life Sciences Kommission der Handelskammer beider Basel beispielsweise werden viele dieser Kräfte gebündelt. Dort spürt man, dass man im Interesse eines starken Standortes an einem Strick zieht.

5. Wo sehen Sie die Chancen und Risiken für die jetzige Life-Sciences-Industrie in Basel?

Robert-Jan Bumbacher: Die Chancen für die hiesige Life-Sciences-Industrie liegen darin, neue Technologien zu entwickeln. Dabei denke ich auch an neue medizinische Behandlungen und die klinische Forschung, zum Beispiel im Bereich der Onkologie. Wichtig ist auch, die erzielten Erfolge noch deutlicher über die Region hinauszutragen.

Die Risiken sehe ich in der ungenügenden Vernetzung und Koordination die zu Doppelspurigkeiten oder mangelhafter Fokussierung führen können. Wir sollten uns mehr mit anderen erfolgreichen Life Sciences Clustern messen und behaupten.

6. Welche Rolle spielen Start-Ups wie diejenigen im TPB für den Life Sciences Standort Basel?

Robert-Jan Bumbacher: Die Start-ups nehmen neue Trends rasch auf. Jeder Erfolg aber auch Misserfolg bringt unser Wissen weiter und legt den Grundstein für einen nächsten Entwicklungsschritt bis zum entscheidenden Durchbruch.

7. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit der Industrie mit den Spitälern in Basel und wo möchten Sie etwas verändern?

Robert-Jan Bumbacher: Hier besteht noch ein grosses Potenzial für die weitere Verknüpfung. Die gemeinsame Spitalgruppe Kantonsspital Baselland und Universitätsspital Basel soll in dieser Hinsicht die Basis bilden, um für die Life Sciences Industrie ein interessanter Partner für Forschungsprojekte zu sein. Ziel ist es, dass wir uns bei den Life Sciences Firmen vor Ort besser positionieren. Hier müssen wir uns mit den anderen Unispitälern in der Schweiz aber insbesondere im Ausland messen.

8. Welche Zukunft hat aus Ihrer Sicht die personalisierte Medizin in Basel? Wie sollte sich der Standort Basel entwickeln?

Robert-Jan Bumbacher: Die personalisierte Medizin hat eine grosse Zukunft und ist für unseren Standort von hoher strategischer Bedeutung. Sie ist in der Onkologie bei einzelnen Behandlungen bereits Realität. Das Projekt der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel für eine gemeinsame Forschungsplattform unter dem Namen „Personalised Health Basel“ legt dazu einen zentralen Grundstein. Es erfolgt in enger Abstimmung mit den gleichen Aktivitäten am Standort Zürich und in Koordination mit der nationalen Initiative.

Weitere Informationen zum Thema „personalisierte Medizin“ finden Sie auch im Beitrag "Precision Medicine Basel".

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Technologiepark Basel

Zielgruppe des Technologieparks Basel sind innovative Jungunternehmen aus der Life Sciences-, der chemischen Industrie, der Umwelt- und Energietechnologie, der Nanotechnologie sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie. Der kommerzielle Start dieser Jungunternehmen aus Hochtechnologiebranchen wird durch das Angebot von Büro-, Labor- und Lagerflächen sowie Infrastrukturen zur gemeinschaftlichen Nutzung vereinfacht. Zudem stellt der Technologiepark Basel grundlegende Dienstleistungen zur Verfügung. Erfolgreiche Jungunternehmen bleiben in der Regel nur wenige Jahre im Technologiepark Basel. Nach Etablierung des Unternehmens und dessen Produkten im Markt finden die Unternehmen einen neuen Standort im regionalen Immobilienmarkt.

Aufgrund der grossen Nachfrage und um den Expansionsplänen der bestehenden Mieter gerecht zu werden, wurde der Technologiepark Basel im Sommer 2014 zum ersten Mal erweitert. Neben einer Verdopplung der Labor- und Büroflächen wurden auch ein zentraler Empfangsbereich sowie ein Auditorium erstellt. Die anhaltend hohe Auslastung der Labor- und Büroflächen im Technologiepark Basel sowie die Verfügbarkeit von freien Flächen im gleichen Gebäude haben dazu geführt, dass der Technologiepark Basel weiter vergrössert wird. Per Ende 2017 wird die Fläche um weitere Labor- und Büroräumlichkeiten erweitert, so dass der Technologiepark Basel gesamthaft rund 6400 m2 umfassen wird. Im Moment sind die Planungsarbeiten für die zweite Erweiterung im Gang.

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