Konjunkturaussichten: Festigung der konjunkturellen Erholung und leichte Wachstumsbeschleunigung

Der Brexit-Entscheid hat kleinere Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Schweiz sowie auf die Wirtschaft der restlichen Welt als zu Beginn erwartet.

Allgemein hat sich die Schweizer Wirtschaft in den letzten Quartalen wieder von den Turbulenzen rund um die Aufhebung des Euro-Mindestkurses erholt. Das BIP-Wachstum der Schweiz beschleunigte sich seit dem letzten Quartal 2015 kontinuierlich und war im ersten Halbjahr 2016 wieder breiter über die Wirtschaftssektoren abgestützt. Die neusten Entwicklungen verschiedener Indikatoren deuten darauf hin, dass die lokale Wirtschaft auch im zweiten Halbjahr 2016 weiter wachsen wird, jedoch weniger dynamisch als im vergangenen zweiten Quartal.

Brexit – Bestimmendes Thema im ersten Halbjahr 2016

Die Finanzmärkte hatten sich im Vorfeld der Abstimmung auf einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU eingestellt. Entsprechend heftig fielen die ersten Marktreaktionen direkt nach dem Bekanntwerden des Abstimmungsresultats am 23. Juni aus. Heute ist klar, dass es sich dabei um Überreaktionen handelte, und die Märkte haben sich inzwischen wieder deutlich erholt. Die Volatilität und Unsicherheit ist und bleibt aber weiterhin relativ hoch. Das beste Beispiel dafür ist der neuerliche Absturz des Britischen Pfundes von Anfang Oktober. Wo das konkrete Verhandlungsresultat zwischen „hartem“ und „weichem“ Brexit zustande kommt, ist für die zukünftige Entwicklung und die Beziehung zwischen den Partnern entscheidend.

Das unsichere Umfeld und die möglichen Implikationen auf die Wirtschaft haben die Analysten dazu veranlasst, ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum des Vereinigten Königreichs in der kurzen Frist zurückzunehmen (SwissLife für 2016: +1.9%, 2017: +0.6%). Im Jahr 2018 wird das Wachstum jedoch wieder nahe bei einem Szenario ohne Brexit liegen. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft der Schweiz, der EU sowie auf die Weltwirtschaft sind deutlich kleiner als vorerst befürchtet.

Weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die holprige Entwicklung der Weltwirtschaft hielt laut der Expertengruppe des Bundes auch im ersten Halbjahr 2016 an. Im Euroraum fiel das BIP-Wachstum nach einem starken 1. Quartal im Folgequartal etwas bescheidener aus (+0.5% resp. +0.3%). In den USA blieb die Expansion unter den Erwartungen (2. Quartal +0.3%). In den Schwellenländern scheint die konjunkturelle Talsohle nach einer verhaltenen Entwicklung allmählich erreicht.

Die expansiven Impulse der Geld- und Fiskalpolitik sowie weiterhin niedrige Energiepreise sind jedoch positive Signale für die zukünftige Entwicklung der europäischen Wirtschaft. So hat zum Beispiel die US-Notenbank an ihrer letzten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses knapp entschieden, den US-Leitzins noch nicht zu erhöhen. Die Experten des Bundes gehen daher für das nächste Jahr von einer Fortsetzung der moderaten Konjunkturerholung und einer allmählichen Festigung der globalen Expansion aus. Sie prognostizieren für das laufende und kommende Jahr Wachstumsraten von +1.6% für die EU (USA +1.5%, resp. +2.2%).

Die Schweiz

Ende 2015 und im ersten Halbjahr 2016 hat sich die Schweizer Wirtschaft wieder erholt. Das BIP-Wachstum betrug im 2. Quartal 2016 +0.6% (1. Quartal +0.3%). Dabei konnte eine breitere Abstützung des Wachstums auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren beobachtet werden – vor allem binnenorientierte staatsnahe sowie private Dienstleistungen expandierten deutlich. Zusätzlich sind in der Industrie und im Tourismus erste Anzeichen einer Entspannung, des durch den starken Euro verursachten Drucks zu erkennen. Der Aussenhandel entwickelt sich daher weiterhin solide und im Detailhandel und im Tourismus zeichnet sich eine Trendwende ab. Laut dem SECO ist die Lage innerhalb einzelner Sektoren jedoch sehr heterogen.

Da die Schweiz stark von den globalen Entwicklungen und insbesondere der wirtschaftlichen Erholung des Auslands abhängig ist, kann unter den herrschenden weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einer langsamen Konsolidierung der konjunkturellen Erholung gerechnet werden (2016: +1.6%, 2017: +1.7%). Im Inland kommen positive Impulse vom Aussenhandel, welcher neben der Pharmaindustrie wieder zunehmend durch die MEM-Industrie und den Tourismus angetrieben wird. Von der Inlandnachfrage wird weiterhin eine solide Entwicklung erwartet, jedoch keine zusätzliche Beschleunigung. Die Arbeitslosenquote dürfte sich im laufenden Jahr und im Jahr 2017 bei 3.3% einpendeln.

Basel-Stadt

Die weiterhin angespannte Wechselkurssituation bleibt bestehen. Vor allem die Investitionsgüterindustrie ist in der Region Basel davon am meisten betroffen. Im Dienstleistungssektor stabilisierte sich der Einkaufstourismus und brachte dem gesamten Handel eine erste Entspannung. Im laufenden Jahr wird Basel-Stadt im Vergleich zur Gesamtschweiz wieder ein deutlich positiveres Wachstum verzeichnen. BAKBASEL hat seine Wachstumsprognose im Frühjahr für das laufende Jahr um 0.6 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Die aktuelle Prognose für das Jahr 2016 liegt bei +2.4% (2015: +2.3%). Für das nächste Jahr wird weiterhin von einer konjunkturellen Erholung ausgegangen und ein Wachstum von +2.8% prognostiziert. Wachstumstreibend bleibt die dominierende chemisch-pharmazeutische Industrie, für die ein überdurchschnittliches Wachstum von +3.9% im Jahr 2016 prognostiziert wird (2017: +4%). Die Gründe für diese Dynamik liegen unter anderem in der geringeren Abhängigkeit vom Euro und in globalen Nachfragetrends (Alterung der Weltbevölkerung und steigender Wohlstand), die dazu führen, dass die Branche vergleichsweise konjunkturresistent ist. Die Arbeitslosigkeit im Stadtkanton lag Ende September bei 3.7% (saisonbereinigt: 3.8%).

Der Trend in der Tourismusbranche setzte sich im ersten Halbjahr fort und es wurden in Basel-Stadt 587‘070 Logiernächte gezählt. Im Juni wurde mit 121‘213 Übernachtungen sogar die höchste je in einem Monat verzeichnete Logiernächtezahl erreicht. Wesentlich zu diesem guten Ergebnis beigetragen haben unter anderem die Kunstmesse Art Basel sowie internationale Kongresse. Bis Ende August verzeichnete das Statistische Amt mit 796‘683 Übernachtungen jedoch eine leichte Abnahme von -0.6% gegenüber der Vorjahresperiode. Vor dem Hintergrund eines sehr starken Jahres 2015 sowie dem Rekordmonat Juni ist dieser Rückgang jedoch nicht besorgniserregend.

Quellen: Für Konjunktur und Prognose der Wirtschaft SECO „Konjunkturtendenzen Herbst 2016“ und „SwissLife Volkswirtschaftlicher Ausblick Oktober 2016“, für die kantonale Prognose BAK Basel Economics (Stand 30.09.2016) und SECO „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im September 2016“ sowie für den Tourismus „Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt Statistische Mitteilung vom 14. September 2016“.

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